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Ein alter Wirtschaftszweig unseres Dorfes erwacht auf diese Weise aus fast hundertjährigem Schlaf. Wie alt der Rebbau in Rütihof ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Der Birmenstorfer Historiker Max Rudolf nimmt an, dass in unserem Nachbardorf um 1250 erstmals Weinreben angepflanzt worden sind, aus dem 14. Jahrhundert liegen aussagekräftige Dokumente über Weinberg und Trotte in Birmenstorf vor.

Im Rütihof – damals noch ein Einzelhof – dürfte der Rebbau etwa auch in dieser Zeit in bescheidenem Ausmass aufgekommen sein. Die sonnige Südwestlage und der kalkhaltige Untergrund der alten Reussgletscher-Moräne waren und sind die idealen Voraussetzungen für die Weinreben.

„Wyngärten“ seit mindestens 400 Jahren.

Einen alten schriftlichen Nachweis finden wir aus dem Jahre 1612: Langhans Humbel kauft für 2500 Gulden den Rütihof mit Heumatten, Ackerland, Wald, Weiden und „Wyngärten“. Ferner hält ein Zinsverzeichnis des Rütihofs von 1653 die „zugehörigen Weinreben“ fest.

Weinernte Rütihof 1802
Rebbesitzer Verkauft Eingekellert Total
  Liter Liter Liter
Jakob Mülhaupt 279 0 279
Christoph Meyer 197 0 197
Caspar Meyer, Soldat 268 179 447
Leonzi Busslinger 1‘876 323 2‘200
Jakob Kayser 357 232 590
Marti Kayser 350 0 350
Kaspar Meyer, Steuermeyer 983 229 1‘212
Claus Meyer 491 89 581
Johann Anner 600 357 958
Rudolf Obrist 357 104 461
Caspar Meyer, Schuhmacher 0 129 129
Philipp Notter 250 0 250
Total 6‘010 1‘642 7‘652

Der Hof wurde zum Weiler, der Weiler zum Dorf. Und so wuchs die Anzahl der rebbesitzer. Selbstverständlich war der Rebbau für alle von ihnen nur ein Nebenerwerb und diente zugleich der Selbstversorgung. Dies zeigt nebenstehende Zusammenstellung aus dem Jahr 1802.

Der Wein – ein Alltagsgetränk

Der eingekellerte Wein wurde wohl selbst konsumiert. Bei den zum Teil beträchtlichen Mengen (beispielsweise den 357 Litern von Johann Anner) müssen wir bedenken, dass Wein durchaus ein Alltagsgetränk war. Als 1845 Konrad Busslinger sämtliche Liegenschaften seinen beiden Söhnen Joseph und Kaspar Leonz abtrat, wurde vereinbart, dass ihm und seiner Frau eine Kuh samt der entsprechenden Heumatte zu überlassen sei und die Söhne ihnen jedes Jahr ein „Leibnis“ von 2 Klafter Holz, 100 Franken in Geld und „2 Saum besseren Wein“ (dies entsprach rund 350 Litern) zu geben hätten.

Im Reglement der Gemeinde Dättwil von 1805 wurde festgehalten: „Zur Ärndt- und Herbsteit soll auf jedem Hof der Gemeinde eine Zusammenkunft abgehalten, und in derselben beschlossen werden, n welchem Tag man die Erndte oder Weinlese anfangen wolle“. Rebberge gab es früher – ausser in Rütihof – ebenfalls in den Gemeindeteilen Dättwil (Segelhof) und Münzlishausen (Eichtal, Baldegg).

Rebhügel in Rütihof, Muntwil und Müslen um 1880

Auch in den beiden zur Gemeinde Birmenstorf gehörenden Weilern Muntwil und Müslen hat es Rebberge gegeben. Alle sind um die vorletzte Jahrhundert wende verschwunden.

Wein war bis ins 20. Jahrhundert hinein ein Getränk, welches selbst den Kindern vorgesetzt wurde. Dies zeigt folgender Bericht: Am 28. August 1873 unternahm Lehrer Humbel mit seinen 30 Schülern einen Ausflug von Rütihof über die Baldegg nach Baden, dann der Limmat entlang zum Kloster Wettingen und via Heitersberg – Rohrdorf wieder zurück. Auf der Baldegg und in Oberrohrdorf gab es einen Zwischenhalt, wobei an beiden Orten jeweils in der Wirtschaft Wein und Brot aufgetischt wurde. Aufgrund der Abrechnung lässt sich feststellen, dass jedes Kind (… und natürlich der Lehrer) an diesem Tag im Durchschnitt einen Liter Wein getrunken hatte! Kein Wunder, dass Humbel in der Schulchronik festhielt: „Dieser Ausflug war gemütlich“.

Karte des Rebgebiets RütihofDie Trauben wurden in der Rütihöfler Trotte gekeltert. Dies war ein kleiner Anbau an das Haus der Gebrüder Burger (heute Heinz Meier, Hofstrasse 11), welcher der Trottengenossenschaft gehörte. Neben Wein wurde in Ihr auch Most gepresst. Das Baujahr ist unbekannt, hingegen ist eine Renovation im Jahr 1887 nachgewiesen. Über eine private Trotte verfügte die Familie Busslinger an der Hoffstrasse („Chasperlünzis“).

Das (vorläufige) Ende

Nach 1850 bedrohten aus Amerika eingeschleppte Schädlinge den Weinbau in ganz Europa: Derechte und der falsche Mehltau sowie die Reblaus. 1890 referierte Gemeinderat Joseph Meier an der Versammlung der Rebbesitzer über den regierungsbeschluss betreffend Mehltaus, worauf die Anschaffung einer Rebspritze beschlossen wurde. Zwar konnten nun die beiden Varianten des Mehltaus bekämpft werden, aber gegen die Reblaus war kein Kraut gewachsen.

Der Mellinger „Reussbote“ schrieb im Mai 1907: „Die Reblaus hat in einem enormen Ausmass ganze Rebkulturen zerstört. Viele Weinberge sind von der Vernichtung bedroht.“

So gab einer nach dem andern den Rebbau auf, der Rütihöfler Rebhügel wurde zum Weideland und zum Baumgarten. Die Trotte wurde 1906 dem Trottenverwalter Siegfried Meier, Webers, für 1‘000 Franken verkauft. Einige Jahre zuvor hatte dieser bereits das Haus der Gebrüder Burger erworben.

Weinernten im Aargau von 1866 bis 1920

Weinernten im Aargau von 1866 bis 1920

Der Rebbau im Aargau wurde durch den Mehltau und die Reblaus weitgehend Zerstört. In Rütihof brach er völlig zusammen. Anton Meier, der ehemalige Sonnengütli-Wirt, weiss wie es dann durch einen schrecklichen Vorfall zum endgültigen Aus für den Rütihöfler Rebbau kam: Anfangs der Dreissigerjahre des letzten Jahrhunderts wagte ein Rütihöfler nochmals einen Versuch. Er pflanzte hinter dem Scheibenstand – also eigentlich am ehemaligen Muntwiler Rebhügel – einige Aren Reben an. Der kleine, exponierte Rebberg war jedoch für den Vogelfrass sehr anfällig. Daher wollte der Rebbauer mit Mörserschüssen die Vögel vertreiben. Der Mörser ging aber vorerst nicht los. Der Winzer gab ihm einen Stoss, sodass der Mörser explodierte und ihm einen Fuss und ein Auge weg riss und das Gesicht verbrannte. Dies war dann das Ende des Rütihöfler Rebbaus. Nur ein vorläufiges Ende, wie wir heute hoffen dürfen. (Chronikgruppe Rütihof, Peter Meier)

Die Rebparzelle „ob der Brunnmatt“ und ihre Eigentümer um 1890

Der rebberg umfasste 124 Aren und befand sich südwestlich des Strassenzuges Kirchgasse – Ödhausstrasse. Kapelle, Friedhof und Rebhügelweg bestanden1890 noch nicht. Eingezeichnet sind das Alte Schulhaus (A) und die beiden Bauernhäuser Kirchgasse 16 (B), damals Johann Meier, Metzger und 20 (C), damals Gebrüder August Meier und Joseph Meier, Gemeinderat.

Parzellen ano 1890

  1. Gebrüder Notter, Müslen
  2. Caspar Leonz Busslinger
  3. Johann Meyer, Metzger
  4. Jakob Anner
  5. Gottlieb Busslinger
  6. Joseph Conrad Busslinger
  7. Caspar Joseph Busslinger
  8. Johann Busslinger
  9. Eduard Meiers Erben
10. Eduard Eicher
11. Kaspar Kaiser Erben
12. Jakob Meier, Schneider
13. Anna Maria Meier, Lehrers
14. August Meier
15. Elisabeth Meier, Gottliebs
16. Joseph Conrad Busslinger
17. Johann Meier, Metzger
18. Beat Kreider
19. Daniel Obrist
20. Joseph Meyer, Neuhäuslers

Anhang: Impressum